„Unternehmen brauchen jemanden, der die Rolle eines Heiratsvermittlers einnimmt“

Kollaboration ist heute ein Schlüsselwort: Ob es um die Entwicklung neuer Produkte, um Veränderungsprojekte oder um kostenschonende interne Prozesse geht – der Erfolg ist von einer guten Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern abhängig. Die Unternehmensberatung cinco.systems  engagiert sich international in der Beratung und Entwicklung von Menschen, Organisationen und Kooperationen. Mit-Inhaber Michael Thiel weiß aus über 20-jähriger Erfahrung, wo Herausforderungen für mittelständische Unternehmen und Konzerne liegen – und wie sie sich lösen lassen. Für den Mystery Lunch Blog haben wir ihm einige Fragen zur Zusammenarbeit innerhalb von Organisationen gestellt. Und unter anderem erfahren, warum er sich zuweilen in der Rolle eines Heiratsvermittlers erlebt.

 

Redaktion: Herr Thiel, warum ist für Unternehmen die Vernetzung von Mitarbeitern so wichtig?

Michael Thiel: In der globalisierten Geschäftswelt ist Schnelligkeit heute oberste Maxime. Veränderungen haben ein völlig anderes Tempo als noch vor zehn Jahren. Um adäquat agieren und reagieren zu können, brauchen Unternehmen eine reibungslose Zusammenarbeit von Mitarbeitenden über Hierarchieebenen, Abteilungen, Standorte und Länder hinweg. Darüber hinaus ist die Verfügbarkeit von Informationen besonders in technologischen Unternehmen noch nie so wichtig gewesen wie heute. Wenn Kollegen untereinander vernetzt sind, gelingt es deutlich besser, Wissen auszutauschen und zu bündeln. Das ist zum Beispiel eine Voraussetzung, um innovative Produkte zu entwickeln.  Außerdem können damit massiv Kosten gespart werden.

 

Michael Thiel, Managing Partner bei cinco.systems

 

Redaktion: Zusammenarbeit über Abteilungen hinweg ist in großen Unternehmen oft nicht sehr etabliert. Was tut cinco.systems, um Kollaboration zu verbessern?

Michael Thiel: Mit unserem 12-köpfigen Team beraten wir Organisationen in einem strukturierten Prozess dabei, wie sie Silodenken überwinden und mit Hierarchien besser umgehen. Außerdem unterstützen wir dabei, agilere Strukturen einzuführen und damit starre Prozesse aufzulösen. Diese verhindern häufig ein effizientes Projektmanagement und bringen das Finden von Lösungen oder auch die Entwicklung neuer Produkte ins Stocken.

 

Redaktion: Welche sind die Eckpfeiler zu einer Unternehmenskultur, die effizientere und wirkungsvollere Zusammenarbeit ermöglicht? 

Michael Thiel: Wir halten einen strukturierten Prozess für wichtig, an dessen Anfang eine Netzwerkanalyse steht. So erhalten Unternehmen einen klaren Blick auf das interne und externe Kooperationsmanagement. Dabei wird transparent, wo Netzwerke nicht effizient genug funktionieren. Gleichzeitig wird deutlich, welche Persona als Vernetzer fungieren können. Diese haben eine Schlüsselfunktion inne, wenn es um die Neuordnung von Strukturen und um den Aufbau neuer Netzwerke geht. Im Laufe von Lern- und Beratungsprozessen unterstützen bestimmte kreative, multidisziplinäre Methoden dabei, die individuell zugeschnittenen Maßnahmen zu entwickeln.

 

Redaktion: Wie kann solch ein Szenario konkret aussehen?

Michael Thiel: Wenn in einem Konzern über Jahrzehnte bestimmte Strukturen gewachsen sind, in denen beispielsweise die Produktentwicklung und das Marketing nur sehr punktuell zusammenarbeiten, wurden diese vielleicht lange nicht sichtbar – obwohl unterschwellig damit längst Schwierigkeiten verbunden sind. Veränderungen werden angestoßen, wenn das Management diese Dinge erkennt. Die Situation wird dann analysiert und bewertet, strukturelle Lösungsansätze vorgeschlagen.

 

Redaktion: Solche Veränderungen sind doch sicherlich mit Widerstand verbunden…

Michael Thiel: Natürlich sind nicht immer sind alle begeistert, wenn es heißt, wir schlagen neue Formen der Zusammenarbeit vor. Entscheidend ist an dieser Stelle, intensiv mit den Beteiligten zu sprechen. Unternehmen brauchen zuweilen jemanden, der die Rolle eines Heiratsvermittlers einnimmt, um Mitarbeiter, Führungskräfte und Abteilungen zusammenzuführen. Zum einen gilt es, die Vorteile zu verdeutlichen, die mit Kooperation und Kollaboration verbunden sind. Auf der anderen Seite müssen die Prozesse genau geklärt werden.

 

Links
Praxisbeispiele für gelingende Kooperationen hier im Video zum Thema „Vernetztes Führen“ https://goo.gl/sG9eQl

Informationen zum Thema „Kooperationsmanagement im Kontext von Digitalisierung und Innovation“ bietet das gleichnamige Curriculum (in Kooperation mit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW)) https://www.fhnw.ch/de/weiterbildung/wirtschaft/cas-kooperationsmanagement.

 

Redaktion: Wodurch kann die interne Zusammenarbeit unabhängig von Change Projekten gefördert werden?

 Michael Thiel: Eine Möglichkeit sind organisierte, offene Netzwerktreffen im Unternehmen, die mithilfe professioneller Steuerung einen unmittelbaren Nutzen für die Teilnehmer und das Unternehmen schaffen. Informelle, zwanglose Angebote können ein wichtiger Baustein für Austausch und Offenheit sein. Wenn sich Mitarbeiter aus unterschiedlichen Abteilungen beim Mittagessen kennenlernen, kann darin ein Schlüssel zum Erfolg liegen. Insbesondere, wenn das nicht nur einmalig passiert, sondern der Lunch zwischen zuvor nicht miteinander bekannten Kollegen fest im Angebot eines Unternehmens etabliert wird.