Vom Silodenken zur Schwarmintelligenz – und so die Digitalisierung schaffen

Einer für alle und alle für einen – wäre diese Mentalität im Arbeitsalltag nicht wünschenswert? Die Realität sieht in den meisten Firmen jedoch anders aus. Oft gehen Abteilungen eigene Wege, Schnittstellen zu anderen Bereichen fehlen. Spätestens mit der Digitalisierung wollen nun auch Konzerne raus aus den Silos und wie Start-ups arbeiten. Die Frage ist nur, wie kann das gelingen?

Wir gegen die anderen: Wenn man sich unter Angestellten und Führungskräften umhört, dann lautet so das vorherrschende Prinzip in vielen Unternehmen *. Abteilungen arbeiten an Ihren eigenen Zielen, unterstützen. „Nicht mein Bereich“ heißt es nur allzu gern, wenn jemand nicht zuständig sein möchte. Projekte sind auf der anderen Seite häufig primär Teil der eigenen internen Positionierung und nur sekundär im Sinne des Unternehmenswohls. Die Folge: Schnelle Entscheidungen sind unmöglich, da die Suche nach dem jeweils verantwortlichen Entscheider viel zu lang dauert.  Informationen werden nicht geteilt, Vorurteile gegenüber Kollegen aus anderen Bereichen wachsen. Solche politisch getriebenen Ansätze führen letztlich zu einer Situation, in der es nur Verlierer gibt: die Mitarbeiter, das Unternehmen – und die Kunden.

 

Management will Kollaboration voranbringen

Für das Management sind solche Zustände schon lange ein Graus. Mit der Digitalisierung wird es auch für Konzerne immer wichtiger, neue Produkte, Innovationen und Problemlösungen zu schaffen. Dem steht eine Silomentalität entgegen. Vielmehr bringen erst Austausch, Veränderung und Zusammenarbeit ein Unternehmen im positiven Sinne voran. Unbürokratische Initiativen und agile Prozesse sind für Firmen gefragt, wollen sie in globalen Märkten bestehen und dringend benötigte Innovationen schaffen.

Interne Schnittstellen helfen nicht nur, neue Ideen und Projekte zu entwickeln, sondern unterstützen auch beim Wissensmanagement. Mit der sogenannten Schwarmintelligenz  sollen schlechte Ideen herausgefiltert werden, die guten entwickeln sich fast wie von allein weiter. Dieses Phänomen kann entstehen, wenn Kollegen aus verschiedenen Bereichen zusammenkommen und gemeinsam an produktiven Lösungen arbeiten. Um das zu schaffen, braucht es jedoch Eigenverantwortung der vielen statt eines hierarchischen Denkens.

 

Wie Silos funktionieren (Auszüge aus Wikipedia)
(…) Befüllt werden Silos grundsätzlich von oben, entleert von unten. Trotzdem arbeiten sie nicht nach dem First-in-first-out-Verfahren. (…)  Bei dem durch den Auslassstutzen gezapften Produkt handelt es sich also um eine Mischung aller im Silo befindlichen Mengen.

Aus diesem Grunde ist es im Falle einer Silofalschbefüllung unbedingt zu vermeiden, unbedacht von unten zu zapfen in der irrigen Annahme, dass das falsch zugefüllte Produkt oben auf dem zuvor korrekt in den Silo eingefüllten Warenmengen wieder austritt.

 

Strategien für Durchlässigkeit und Zusammenarbeit

Im Idealfall bereiten Management und HR-Abteilung einer solchen durchlässigen Innovations-Kultur gemeinsam den Weg  – begleitet durch entsprechende Kommunikation. Es hilft, wenn dabei ein langfristiges Konzept mit Meilensteinen entwickelt wird, das die Unternehmensführung vorlebt. Doch auch wenn dies aus Ressourcen-Gründen erstmal nicht möglich ist, besteht kein Grund, das Ziel einer besseren Zusammenarbeit und einer offeneren Kultur aufzugeben. Auch punktuelle Berührungspunkte können zum Abbau von Silos beitragen – ob das im Rahmen eines Firmenevents geschieht oder beim Mittagessen mit einem Kollegen, der einem nach dem Zufallsprinzip vermittelt wurde.

 

Beispiele: Maßnahmen für mehr Integration

Vernetzungsevents & Company Days: Gefragt sind Veranstaltungen, die Kollegen gezielt vernetzen. Hier gilt es für die Organisatoren, gezielte Elemente einzubinden, die  Abteilungsgrenzen aufreißen und zum Austausch zwischen Kollegen aus verschiedenen Bereichen beitragen.

Abteilungsübergreifende Projekte: Die Zusammenarbeit mit anderen Bereichen schafft neben einem besseren Verständnis für deren Arbeitsalltag häufig auch neue Ideen und Innovationsansätze.

Learning Sessions: Weiterbildung sollte sich nicht auf einzelne Abteilungen beschränken. Vielmehr ist es sinnvoll, Mitarbeiter übergreifend an entsprechenden Angeboten teilnehmen zu lassen. Damit erweitern diese nicht nur ihre Fachkompetenz, sondern lernen die eigene Organisation besser kennen.

One-to-Ones zwischen Kollegen: Ob beim Mittagessen oder zum Kaffee – ein informelles One-to-One zwischen Kollegen aus unterschiedlichen Einheiten ist eine der am besten funktionierenden Methoden, um das Verständnis zu erhöhen – und um neue Synergien entstehen zu lassen. Wenn Unternehmen ihren Mitarbeitern etwa mithilfe von Online-Plattformen bei der Vernetzung helfen, tragen sie damit sehr effizient zum Abbau von Silos bei. Stattdessen werden neue Brücken gebaut – und eine wichtige Grundlage geschaffen, um die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern.

 

Daimler auf dem Weg zur Schwarm-Organisation
Dieter Zetsche, Daimler-Chef, will den Konzern für die Digitalisierung fit machen. Seine im Herbst 2016 angekündigte Strategie: Um schneller und flexibler zu werden, sollen innerhalb weniger Monate bis zu 56.000 Mitarbeiter als Schwarm-Organisation arbeiten und für bestimmte Themen wesentlich stärker verknüpft werden. Sie agieren dann über Abteilungsgrenzen hinweg autonom und vernetzt.

Daimler entwickelt seine Unternehmenskultur mit „Leadership 2020“ gezielt weiter. Dabei geht es um mehr unternehmerischen Mut und mehr Eigenverantwortung bei jedem einzelnen.

 

 

* Studie von Hays in Zusammenarbeit mit  dem Analyse- und Beratungsunternehmen PAC aus dem Jahr 2015: Silo- und Konkurrenzdenken ist besonders in Großunternehmen mit über 2000 Mitarbeitern ausgeprägt. 83 % der Befragten in diesem Bereich sehen dies so.  72 % der Befragten sagen, dass die digitale Transformation durch Silos blockiert wird.

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