Serendipity – mit dem „Prinzip Zufall“ neue Innovationen schaffen

Niemand bemüht gern das Prinzip Zufall, wenn es um den Erfolg des eigenen Geschäfts geht. Dabei ist Innovation und Produktentwicklung ohne überraschende Entdeckungen in vielen Bereichen fast unmöglich. Die gute Botschaft für Skeptiker des puren Zufalls: Das berühmte letzte Quäntchen lässt sich doch herbeiführen. Wissenschaftler bemühen das englische Wort „Serendipity“, wenn es um die Entwicklung neuer, disruptiver Ideen geht. Dieser Ansatz hilft auch Unternehmen, neue Wege zu gehen – und tragfähige Technologien zu entwickeln.

Das Internet hat etwas gemeinsam mit der Mikrowelle, mit Röntgenstrahlen und Penicillin. Mit dem Sekundenkleber, mit Cornflakes, Post-it‘s und dem Klettverschluss: All diese Dinge verdanken ihre Existenz dem Prinzip „Serendipität“.

Sie sind mehr oder weniger zufällig entstanden – jedoch nicht ohne Absicht. Serependity, das meint eine zufällige Beobachtung von etwas im Grunde nicht Gesuchtem. Etwas, das sich als neue und überraschende Entdeckung erweist – oft in einem Moment, wo etwas ganz anderes gesucht wurde.

Dieser Ansatz hilft Unternehmen dabei, neue Technologien und Produkte zu entwickeln. Er trägt der Tatsache Rechnung, dass Innovationen und große Ideen meist nicht von heute auf morgen entstehen, sondern langsam und in kleinen Häppchen. Sie unterliegen quasi einer Inkubationszeit. Lange wird an einer Sache geforscht – um schließlich etwas zu entdecken, das wertvoller ist als das, was eigentlich das Ziel war.

 

Wie Serendipity zur Erfindung des Internet führte
Aus immer mehr Publikationen resultierte Ende der 1980er Jahre am Kernforschungszentrum CERN eine regelrechte Informationsflut. Um dieser Herr zu werden, hat ein junger Forscher namens Tim Berners-Lee die Idee eines Hyperlinks entwickelt. Außerdem entstanden die Sprache HTML, ein Browser zum Lesen der Dokumente und das HTTP-Protokoll. Dass daraus einige Zeit später das Internet hervorgehen würde, war weder die Absicht noch das Ziel der damaligen Forschung. Es war eher dem Zufall zu verdanken. Und der Tatsache, dass Berners-Lee seine Entdeckungen mit anderen teilte, die sie weiter ausfeilten und schließlich zur Marktreife brachten.

 

Raum für Neues schaffen – mit Serendipity und Vernetzung

Ein weiterer entscheidender Faktor bei der Entstehung neuer Technologien, Formate oder Produkte sind persönliche Kontakte. Denn selten entstammt Innovation der Geisteskraft eines Einzelnen – in den meisten Fällen spielen die Ideen mehrerer zusammen. So kann eine heute geführte Unterhaltung zwischen Kollegen beim Mittagessen oder beim gemeinsamen Kaffee zur großen Innovation von morgen führen.  Der Kollege aus einem anderen Bereich hat vielleicht das fehlende Stück für das Projekt parat, woran die Abteilung schon so lange arbeitet.

„Chance favours the connected mind“ weiß der Brite: Die Gunst des Zufalls wird unterstützt durch Verbindung und Vernetzung.  Häufig ist erst das Zusammenführen von Ahnungen, Ideen und Gedanken der entscheidende Funke, der zu neuen Konzepten führt. Zu etwas, das mehr ist als die Summe seiner Teile.

Wer nun vermutet, dies sei ein neuer Trend, der irrt. Vielmehr sind große Erfindungen und Entdeckungen über die vergangenen 600 Jahre hinweg immer weniger von einzelnen gemacht worden – und stattdessen zunehmend über Netzwerke entstanden. Was lange läuft, hat jedoch gerade in den letzten 15 Jahren intensiv an Fahrt aufgenommen:  Mit der digitalen Vernetzung  sind ganz neue Möglichkeiten entstanden, die Menschen aus unterschiedlichen Kontexten und Kulturen  bei der Vernetzung helfen. Es dürfte kein Zufall sein, dass in dieser Zeit die Zahl der Technologie-Start-ups und der disruptiven Innovationen so schnell gewachsen ist wie selten zuvor.

 

Unternehmen fördern Innovationen durch Raum für Ideen

In der Regel ist es unmöglich vorherzusagen, wann oder wo Innovationen entstehen oder welche persönlichen Kontakte in Zukunft wichtig sein werden. Aus diesem Grund tun Unternehmen gut daran, dem Prinzip Serendipity eine Chance zu geben.

Die Kaffeehäuser im 19. Jahrhundert galten geradezu als Ideenküchen, aus denen – durch den Austausch von Ideen zwischen Akteuren aus unterschiedlichen Disziplinen – ganz neue Konzepte entstanden sind. Der kreative Raum von damals wird heute immer mehr auf digitale Plattformen verlagert. Damit allein ist es aber nicht getan. Unternehmen tun gut daran, Communities anzubieten, die eine Grundlage schaffen, dass sich Mitarbeiter im echten Leben begegnen. Gemeinsam neue Ideen entwickeln – das kann ganz unerwartet beim Mittagessen mit einem Kollegen geschehen, den man vielleicht vorher gar nicht kannte.

Ob Konzerne, Mittelständler oder Start-ups: Wenn Firmen Raum schaffen für Kreativität und Vernetzung, geben sie dem Zufall eine Chance. Und investieren in die eigene Zukunft.

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